Meine Haar-Geschichte

  • 1978

    Am 24.10 wurde ich in Thüringen, Ostdeutschland, geboren. Es gehört nicht unbedingt zu meiner Geschichte, dass lange Haare mich schon im Kindesalter faszinierten.

    Es war eher so, dass ich nie welche hatte. Um es pflegeleicht zu halten bekam ich die Hälfte meines Lebens einen Bob. Darum habe ich wohl die andere Hälfte meines Lebens darauf verwendet das Gegenteil davon anzustreben.

  • 1993

    Als ich mit 15 die Selbstbestimmung über mein Haupthaar erlangte, musste ich natürlich gleich aktionistisch alles ausprobieren. Dauerwelle, Bleichen, Färben… das volle Programm. Die Quittung bekam ich sehr direkt, indem mir alle Haare am Ansatz abgebrochen sind. Das hat mich damals zutiefst geschockt, weil ich wusste, dass es nun mindestens 2 Jahre dauern wird, bis wieder etwa schulterlange gesunde Haare nachgewachsen sind.

    Im Nachhinein war das eine gute Lektion, denn ich habe durch dieses furchtbare Übertreiben gleich alle Fehler auf einmal gemacht und brauchte sie dann später nicht mehr aus dem System zu bringen. Daraufhin habe ich mir geschworen die Finger von böser Chemie und Färben zu lassen und fand heraus, dass ich meine Naturhaarfarbe eigentlich sehr gerne mag.

  • 1996

    Im Juni wurden endlich die letzten Blondierleichen in einem Radikalschnitt beseitigt. Danach konnte ich die Haare knapp hinters Ohr klemmen. Dies sollte tatsächlich der letzte Schnitt für ungefähr 10 Jahre bleiben.

    Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Zum Einen wusste ich nach der ganzen fremdbestimmten Zeit und der Haarbruch-Katastrophe nur eines mit Sicherheit, nämlich dass sie jetzt erst mal nicht mehr geschnitten werden. Daraus wurde eine ganz einfache passive Motivation. Sie wuchsen nicht, weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte unbedingt lange Haare zu züchten, sondern sie wurden einfach lang, weil ich das Schneiden satt hatte.

    Zum Anderen erlebte ich eine Zeit voller essentieller Dinge, die alle bedeutsamer als Haare waren und so wurden sie eingekordelt, weggesteckt und vergessen… für Jahre.

    Ich merkte nur wie mein Haarknoten hin und wieder eine Windung mehr bekam und ich neue Wickeltechniken erfinden musste.

  • 2001

    Als diese Zeit überstanden war und ich den Knoten eines Tages aufmachte, habe ich sie das erste Mal bewusst wahrgenommen und bekam im wahrsten Sinne steißlange Haare geschenkt.

    Völlig unbemerkt sind sie vor sich hin gewachsen und ich kann nicht behaupten, viel dafür getan zu haben, aber dagegen getan habe ich auch nichts. Instinktiv hatte ich schon aufgehört einen Fön zu benutzen, um nur noch natürlich Lufttrocknen zu lassen.

    Es wurde auch nicht mehr nass gekämmt, sondern mit Headbangen improvisiert. Das sorgte gelegentlich für Gelächter, aber es fühlte sich weiterhin schonender an sie über Schwerkraft zu entwirren. Ich begann sie zu mögen, meine steißlangen rotbraunen Haare.

    Ab da kam dem Entschluss lediglich nicht mehr zu Schneiden auch der klare Wunsch hinzu, sie von nun an so lange wachsen zu lassen, bis sie mich stören oder es nicht mehr schön aussieht. Den ersten Punkt habe ich bis heute noch nicht erreicht, aber der Zweite wurde schon mehrfach korrigiert, und zwar immer dann, wenn die Enden zu fransig wurden.

  • 2006

    Waren immerhin schon vereinzelte Zipfel knielang, aber das untere Drittel erschien durch viele Sommer sehr strapaziert und ungleichmäßig. Ich griff nach einem Jahrzehnt Wildwuchs das erste Mal wieder zu einer Schere. Mit zwei Schritten vor und einem zurück, kamen künftig 1x pro Jahr rund 5-10 cm ab. Mit leichtem Längengewinn sollten die substanzlosen Enden in Form gebracht werden.

  • 2010

    Entdeckte ich per Zufall ein Forum rund um Haare und meldete mich mit 1,60m wadenlangen Haaren direkt an. Dort stieß ich erstmals auf die ganze Welt aus Pflegeprodukten und Naturkosmetik und war schwer überfordert. Ist jahrelang an mir vorbeigegangen, was für eine Wissenschaft man aus dem Thema Haarpflege machen kann.

    Aber es begann mir Freude zu bereiten meinen Haaren mehr Aufmerksamkeit und Pflege zu schenken. Ich lernte sinnvolles von nutzlosem Wissen zu unterscheiden und wurde schnell zur Einäugigen unter den Blinden. Ich fand das sogar aufregend. Stellte um auf silikonfreie Produkte, fing an Öle zu verwenden, Holzkämme, Spülungen und behandelte sie sorgsamer. Das alles sollte bald Früchte tragen. Sie verwandelten sich innerhalb eines Jahres zu glänzenden, definierten und vor allem weichen Haaren. Der Abbau der Silikonschicht war das Beste was meinen Haaren passieren konnte. Für all das, wenn auch fluchend bei jeder eiskalten Rinse, bin ich diesem Forum als Augenöffner sehr dankbar.

  • 2012

    Verlor ich durch starken Haarausfall meinen 12cm Umfang und merklich Dichte in den untersten Längen. Durch den Verlust vieler extrem langer Haare haderte ich stark mit den ausgedünnten Enden. Die letzten 20cm bis zum Boden erschienen nahezu unsichtbar und ich hörte gänzlich auf, sie offen zu tragen.

  • 2014

    Ende März war ich es leid meine Haare zu verstecken. Ich wollte gern wieder offen tragen, aber schämte mich. Es folgte der große und arg ambivalente Schnitt von 1,80m auf 1,60m. Ich war gleichzeitig traurig & erlöst. Seit November und längst nicht mehr traurig, startete ich wieder mit einem Ausgangswert von runden 170cm in mein persönliches Ziel, Bodenlänge inklusive hübscher Kante.

  • 2015

    Im April gehe ich mit 1,75m knöchellangen Haaren in “my smArt Hair” Projekt, bevor die Mähne ergraut. Ich versuche die Freude, die ich nun selbst daran habe, zu teilen und mit den langen Haaren etwas Cooles anzustellen. Es sind tatsächlich kaum Fotos entstanden in all der Zeit, weil ich ihnen bislang zu wenig Beachtung geschenkt habe.

    Das soll sich nun ändern!

Ich möchte hier auf meiner Webseite viele schöne & kreative Bilder festhalten. Ich versuche Momentaufnahmen zu schaffen, die nicht der Vergänglichkeit übergeben sind und gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit dazu nutzen, die häufigsten Fragen zu beantworten, welche mir tagtäglich gestellt werden. Einige sind schon Nachzulesen in meinen:

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Neugierigen & Fragelustigen, die stets an mich herantreten, für das ungebrochene Interesse und die indirekte Ermutigungen zu diesem Projekt bedanken.

Danke Folks!

Das Leben ist Fön.

Eure Darly